Hatte über das Wochenende die Gelegenheit, den 10 (habe ich vor kurzem getestet), 15er und 17er zu testen. Danke noch mal an Kiteplanet für die “Überlassung”
Nach dem Aufpumpen merkt man erst, wie gestreckt und riesig die großen Kaimänner sind. Der 17er ist ein Riesen Teil und macht Nacht nach dem Starten.
Verarbeitung ist absolut Oberklasse und da teilt sich Advance meiner Meinung nach den ersten Platz mit LF und Flysurfer. Es wurde an alles gedacht, Dacron, Verstärkungen und Doppelungen wo es Sinn macht. Onepump, ein Inflate und Deflateventil, an den 3 mittigen Struts noch extra Ablassventile. Nette Gimmicks sind ebenfalls an Bord wie z.B. eine Kamerahalterung an der Centerstrut oder einen praktischen Griff anstatt Pumpleash. Das Tuch fühlt sich sehr wertig an.
Der 10er ist nicht der schnellste aber auch nicht langsam. Die Kaimänner gehen so früh, daß man fast eine Kitegröße kleiner aufbauen kann oder halt mit richtig Druck unterwegs ist. Je nach Geschmack. Als ich mit meinem 9er Hifi gut fahren konnte, war der 10er Kaiman schon fast zu viel wobei die Windrange nach Oben weit ist. Ich mache mit Absicht keine Knotenangaben, weil das bei jedem anders ist und anders empfunden wird.
Grunddruck beim 10er ist angenehm hoch und hilft daher auch Anfängern, schnell ins Fahren zu kommen. Die Haltekräfte sind im mittleren Bereich, die Lenkkräfte sind relativ niedrig. Man spürt den Kite aber gut an der Bar.
Lift produziert der 10er enorm nach oben ohne groß Technik wie Boardkante einsetzen zu müssen. Aber je mehr man das macht, umso höher geht’s natürlich nach oben. Hang time generiert der Kaiman außerordentlich gut, wenn man gut angeblasen ist, ist es wie Hängegleiter fliegen.
Der 15er fühlt sich gut an an der Bar. Für einen 15er mit dieser Streckung relativ schnell. Klar bleibt er ein 15er und dreht daher nicht wie ein 10er. Trotzdem sind Kiteloop Transition usw. alles machbar wenn man sich auf das Drehverhalten eingestellt hat. Der Drehpunkt liegt etwas außerhalb des Tips. Wenn man will, kann man ihn mit Einsatz von Volleinschlag und Boardkante auch schneller drehen, da neigt er dann aber zum zuglosen Tellern. Grundzug ist ordentlich, überfordert aber noch nicht und ist noch gut kontrollierbar. Upwind geht der Kite willig. Ich bin mit dem 15er K4 den gleichen Winkel gefahren wie ein Kollege, der 30Kg weniger wiegt, mit dem 16er North Dyno. Haltekräfte finde ich im oberen Mittelbereich angesiedelt, Lenkkräfte sind eher geringer. Man spürt den Kite aber gut an der Bar.
Der 17er ist nicht gemacht zum Sinussen und groß lenken. Er wurde fürs Race entwickelt und ist daher eigentlich nur gestellt zu fliegen, geht sehr gut Upwind. Macht aber schon von unten raus einen Mörder Grundzug. Da sollte man schon die Boardkante einzusetzen wissen. Haltekräfte würde ich im oberen Bereich einstufen mit geringen Lenkkräften. Man spürt den Kite relativ gut an der Bar wenn man sich eingewöhnt hat. An das Lowend eines 21er Flysurfer kommt er aber systembedingt nicht ran.
Lift 15 und 17: Man muss sich etwas einfahren um den vollen Lift + Hang time genießen zu können. Dabei sollte man gerade bei den großen Kites die Boardkante beherrschen um richtig in Höhe zu kommen, sonst wird man einfach über die Boardkante übers Wasser gezogen. Hang time ist enorm bei den Großen. Bei den kleineren reicht schon alleine der Zug an der Bar um angenehm hoch geliftet zu werden.
Etwas umständlich ist die extralange Waage bei den Kaimännern. Man gewöhnt sich aber daran.
Ausgehakt: Ist nicht der stärkste Bereich der K4 da der Zug bei der Landung nicht deutlich nachlässt. Auch ist der Druckpunkt gerade bei den großen nicht so knackig und gut spürbar, wie bei einem Kite, der dafür ausgelegt ist. Aber man kann damit unhooken und seine ersten Raleys aufs Wasser brettern.
Bar: Man hat alles an Bord was man braucht (und eventuell nicht braucht). Chickenloop ist aus Kunststoff, löst leicht aus, ist leicht zusammen zu bauen. Gimmick: Man hat extra einen Loop für Suizide, der bei einer bestimmten Belastung bricht und wenn man sich richtig eingehängt hat, dann in der 5ten hängt. Steueleinenadjuster ist eine feine Sachen wenn man den Kite im Wasser kurz nachtrimmen muss/will. Einen funktionierenden Stopper welcher verschiebbar ist mit der Bar, hat der K4 auch bekommen in 2011. Der Gurtbandadjuster verrichtet seinen Dienst wie gewohnt. Vermisst habe ich eine Breitenverstellung sowie eine voll ausdrehende Bar. Auch dass die 5te Leine mit einer Belegklemme über dem Adjuster nach dem Auslösen gesperrt wird und man beim Relaunch darauf achten muss, daß sie frei durch läuft, finde ich etwas überflüssig. Gerade für Anfänger die sich noch auf den Relaunch selbst konzentrieren müssen. Der Chickenloop arretiert sich leider nicht nach dem Aushaken so dass man unter Umständen mit einer Hand an den Loop fassen muss zum einhaken. Da sollte Advance noch Ihre Hausaufgaben machen und sich an aufgeräumteren und ausdrehbaren Systemen orientieren.
Safety und Relaunch:
Der Kaiman ist ein 5 Leiner. Drucklosigkeit stellt sich sofort nach Auslösung ein. Die 5te Leine dient aber nur zur Safety und hängt frei. Wer den K4 als 4 Leiner fahren möchte, muss mit Restzug rechnen, je nach System. Relaunch gestaltet sich bei ausreichend Wind sehr einfach. Der Kite wandert schon mit geringem Lenkimpuls an den Windfensterrand und startet dann nach Impuls vom Piloten. Im absoluten Lowend kann mit der 5ten nachgeholfen werden. Durch die hohe Streckung benötigt es im absoluten Lowend etwas an Erfahrung, um den Kite zu relaunchen. Daher solle man das im Stehbereich testen und ggf. mal üben.
Fazit:
Der Kaiman ist ein konsequenter Freerider und Oldschooler mit sattem Lift und Hangtime, unkompliziert zu fliegen und absolut Einstiegstauglich.






